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Empörung über Dosenwerfen auf dem Festival der Demokratie – wirklich?


Meine Antwort auf den Leserbrief „Heute die, morgen wer?“ von Andreas Fuchs – ausgelöst durch den idowa-Artikel „Lebenselixier unserer Gesellschaft“ vom 19.05.2025. Wenn man diesen Schlagabtausch liest, bekommt man fast den Eindruck, hier werde mit großer Geste dramatisiert, wo eigentlich nüchterne Fakten und ein bisschen Realitätssinn völlig reichen würden. Genau deshalb möchte ich ein paar Dinge gerade­rücken.

Die CSU kritisiert eine harmlose, satirische Mitmachaktion, während ihre eigenen Spitzenpolitiker die Grenzen schließen, Geflüchtete als „Touristen“ diffamieren und den Tod von Menschen im Mittelmeer in Kauf nehmen.
Auf den Dosen waren Bilder von AfD-Politikern – und zusätzlich von Donald Trump, Wladimir Putin, Elon Musk und JD Vance. Also Personen, die für autoritäres Denken, Demokratieabbau, Desinformation oder Kriegsverbrechen stehen. Dass man diese kritisch aufs Korn nimmt – in satirischer Form – sollte in einer Demokratie nicht nur erlaubt, sondern selbstverständlich sein.
Hier wurde kein Hass geschürt, sondern Haltung gezeigt – mit Schaumstoffbällen und einem Augenzwinkern.
Wer daraus eine moralische Empörung konstruiert, aber zur realen Gewalt schweigt, sollte ernsthaft seine Maßstäbe überdenken. Und wer sich als CSU-Mitglied öffentlich vor AfD-Gesichtern stellt, statt sich klar von dieser Partei abzugrenzen, übernimmt wohl schon deren Narrative – bewusst oder nicht.
Das Festival stand für Toleranz, Vielfalt und Demokratie. Genau deshalb war es richtig, auf deren Feinde aufmerksam zu machen – auch spielerisch.
Wer ernsthaft meint, Dosenwerfen sei gefährlicher als rechter Hass, hat unter Umständen den moralischen Kompass verloren – oder vielleicht schon die Richtung gewechselt.